Mit dem Rücken zur Wand

 

Ausstellung Mai 2005

Werte Damen und Herren, liebe Freunde jeden Geschlechtes


Anmaßend, schlimmer noch, zumindest in meinem Denken, oberlehrerhaft scheint das Motto unserer jetzigen, dieser zu eröffnenden Ausstellung daher zu kommen. Und dann verschlimmert sich der didaktische Hammer noch durch die Floskel vom Rücken zur Wand. Aber ein Freund, Ästhet, Kunstgenießer, ein überaus aufmerksam in die Welt, besonders in die Bilderwelten Schauender bestätigt dann unwissentlich bei einer Vernissage in Dresden unsere Themen- sowie Darstellungswahl.


Ihm fiel eine Holzplastik ins Auge und verwundert stellte er die Frage, woher die denn plötzlich käme und das wiewohl er sie schon oft bei uns in der Scheune gesehen haben muss. Das war bis zum beschriebenen Erlebnis jedenfalls meine Annahme.


Wir haben Wände gebaut, sie mit Strukturen, mit Farbe überzogen und das taten wir nicht, um auszugrenzen, abzuschirmen sondern dem Bild ein Umfeld zu geben, dem einzelnen Bild einen konzentrierten Raum zu bereiten, das einzelne Bild sich zeigen zu lassen.


Der überschaubare Raum, der mit einem Blick zu erfassende Scheunenraum ist offensichtlich verloren, verstellt von Bildträgern.


Ein Irrgarten ist entstanden, chaotisch, die Orientierung scheint erschwert. Aber sind wir nicht gerade dadurch gezwungen, Details zu beachten, das Einzelne wahrzunehmen um aus der Summe dieser erzwungenen Betrachtungsweise den Raum, vielleicht nicht nur den materialisierten Raum zu finden?


Wie sie sicher bemerken werden, ließen wir uns bei der Auswahl der gezeigten Arbeiten weder von den verwendeten Techniken, noch von der Entstehungszeit der Arbeiten, den Themen oder den verschiedenen, manchmal konträren Ansetzen des Bildermachens leiten.


Wichtig war uns, das Einzelne, in scheinbar enger, beschränkter Fokussierung, vor die richtige, das heißt, der das Bild, den Ausdruck, die Wirkung steigernden Fläche zur Schau zu stellen.


Beim ersten Hinsehen erscheint das vielleicht als l art pour l art - Verstiegenheit. Ist es aber nicht vielmehr so, dass im Kontext der Unzahl existierender, sich überstürzender, überlagernder, bewegter Bilder; sich miteinander vermischender, einander überdröhnender Filmerfindungen und den Ablichtungen, welche Lebensvorgänge dokumentieren, nachbilden sollen; dass in diesem Kontext das starre, sich nicht verändernde Bild, es sei denn durch Alterungsprozesse nur die eine Chance hat, nämlich im Auge und Bewusstsein des Betrachters zu existieren und nur da seine Botschaft, mit einem Wort der Jetztzeit, Informationen freizugeben vermag. Und vielleicht noch einiges mehr. Ein Weiterdenken und im besten Fall Gefühle auszulösen.


Das tote, starre, unbewegte Bild verlangt nur eines, hinsehen. Nur das Hinsehen, das Versenken ins Bild ermöglicht das Abenteuer Bild.


Kann Mann das nicht einfacher formulieren? Doch. Noch immer muss ein Bild angekuckt werden. Bilderzappen in Ausstellungen wird stets ein unlösbarer Widerspruch, ein nicht erfüllbarer Wunsch bleiben. Und das ist gut und richtig so! Solche Wünsche kann sich nur ein TV-Nutzer erfüllen.


Unsere Ausstellung ist der Versuch für diese, von uns angenommene, nein, vorausgesetzte Tatsache die Bedingungen zu schaffen, in der Hoffnung, dass Ihnen, werte Gäste, vielleicht die kontemplative Ansicht eines Bildes erleichtert werden kann.


Für ERNA und mich war eine Erfahrung beim Aufbau dieser Ausstellung, in wie weit die Symbiose unseres Zusammenlebens als Künstlerpaar gelungen ist. Wir ertragen des anderen Bild in nächster Nähe. Und Nähe ist auch der Schlüssel, scheint mir, für den Betrachter. Etwas muss ihm Nahe sein, und kann ihm dann auch näher gebracht werden, um vielleicht so als Bild, als Botschaft anzukommen. Meinem Freund Andy Hanisch aus Dresden, unterstützt von Killa Richter aus Berlin, die Liebe und Zeit in dieses Projekt steckten, danken wir für das rechte Licht. So wie wir uns auch bei allen ungenannten, helfenden Freunden herzlich bedanken wollen.


Ein vorletztes Wort zum ersten Wochenende im Juli. Am 3. Juli wollen wir ihnen einen überwältigenden Raum auf dem Klostergelände in Mühlberg vorstellen, der vielfältiger Ideen zu seiner Nutzung bedarf: dem Refektorium des Klosters Güldenstern.


Ich wünsche ihnen viel Freude

Danke


Und nun gebe ich Wort und Ton an Auke und Philipp, den Musikern.


Paul Böckelmann 1. Mai 2005

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