E.R.N.A.

 
 


9. Ausstellung 2007


„Die gebrannte Linie“

Zeichnung und Keramik


 

Ab 9. September 2007 zeigt die Galerie ALTENAU 04 ALTER PFARRHOF
keramische Objekte von E.R.N.A. „Die gebrannte Linie“

Die Ausstellung zeigt die enge Verwandtschaft zwischen dem grafisch-malerischen Oeuvre und der Verwendung des sicher beherrschten Formenkanons in der Fayence. Es wird sichtbar, wie fließend die Grenzen zwischen ihrer Grafik und deren Anwendung im Medium der Keramik sind. Die in zwei Jahrzehnten erarbeiteten grafischen Möglichkeiten finden ihre sensible Entsprechung in den originären Bildfindungen auf E.R.N.A.s Arbeiten. Mit scheinbar leichter Hand sind Leiber, Gesichter, Wesen und Dinge geformt, die zwischen Idylle und Leidenschaft angesiedelt sind. In der Präsentation sind die Träger der Bildideen, Aufbaukeramik, Papier und Leinwand gegenübergestellt.

Zur Eröffnung wird eine Klangcollage von
Audiocouch – Stone Acoustic Motor Sounds
aufgeführt, die auf ihre eigene Weise „Die gebrannte Linie“ begleiten wird.

Mit einem dubiosen Tuning seiner Gitarre und kraftvollem Spiel gelingt Sänger und Gitarrist Mathias Illing ein ganz eigenwilliger Stil die Akustikgitarre zu bearbeiten. In Stone Acoustic Motor Sounds spielt und singt er Songs der Stonermutter Kyuss und andere steinige Evergreens.

Sounddesigner Jan Barahona Muñoz, gehörig in Motorengeräuschen verliebt, gibt den knallharten Riffs und sphärischen Akkordfolgen einen warmen asphaltischen Soundteppich, auf dem dann jeder durch die eigene Kopfwüste rauschen darf.

Robert Schreiber

Die gebrannte Linie

Irdenes, Irdisches, aus Erde für die Erde. Für uns, den Betrachter.
So wie sich E.R.N.A.s graphische Kunst nicht vom handwerklichen Machen trennen lässt, genauso wenig lassen sich ihre Arbeiten in Kunstwerke oder Handwerksprodukte auseinanderdividieren. Sie ist eine Künstlerin, von der man sich nicht täuschen lassen sollte. Die Dame Blondi – ich erlaube mir hier, aus dem Titel einer Grafikserie, die gerade in Italien gezeigt wird „Blondi macht frei“ zu zitieren – kann wüten, arbeiten, produzieren, zupacken wie ein Erdarbeiter, was sie im weiteren Sinne eigentlich auch ist. Gräbt sie nicht auch? Fördert sie nicht einen lebenswichtigen Stoff zutage: Empfindung. Empfindung erkennen. Erkenntnis empfinden.

Warum sie sich das antut, ihre Linie, ihre Zeichnungen in das mühsam aufzubereitende Material des Tones aufzubringen, dass weiß ich nicht. Hat aber vielleicht die einfache Erklärung, dass es Lust macht, sich immer wieder überraschen zu lassen. Dass es Freude bringt, neugierig zu sein. Dass gerade durch die Bearbeitung der Erde, durch die Arbeit am Material immer wieder zu Bewusstsein gebracht wird, dass man außerstande ist, lediglich sein Wollen macht der eigenen Ideen realisieren, durchdrücken zu können. Es geht nicht nur nach unserem Willen. Aber wenn es dann gelingt, Vorstellungen, Wünsche, Utopien, die Realität sich etwas näher zu bringen, dann wird Freude, Genuss, im höchsten Fall Erkenntnis ausgelöst, Lust befriedigt sein. Eine Wurzel ihres scheinbar so leichthändigen Umganges mit der Fayence ist ihre ausgesprochen grafische Begabung. Mich als Nichtkünstler überrascht es immer aufs Neue, wie aus einem Krakel, ein Müh, eine Auge, eine Hand, Herzen, Pflanzen, Tiere, Menschen, eine ganze Welt entsteht. Und wenn man sich dann noch vergegenwärtigt, dass die aufgetragenen Glasuren keinerlei Korrektur vertragen, was ist ist, das muß sitzen, dann darf man doch einmal das Handwerk in der Kunst bewundern.

Wie auch E.R.N.A keine Angst vorm Missbrauch ihrer Zeichenkunst zeigt. Vielleicht haben Sie, sehr geehrte Damen und Herren, beim Eintreten diesen eigenartigen Geruch bemerkt, der über der Galerie liegt. Ein Hauch, der an alte Kneipen erinnert, diesen Gestank, den Saufen und Rauchen hinterlassen. Kein Wunder, denn die schwarzen Hintergründe, laubgesägte Zeichnungen auf Sperrholz, hingen 4 Jahre über den Köpfen von Diskobesuchern und dienten als Folie für Lichtspielchen und Dekorationen.


nd als die Zeit des Gebrauchs verstrichen war, dort alles neu werden musste, da kehrten die Tafeln zur Künstlerin zurück. Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde, Sie kommen also heute in den Genuss, miterleben zu dürfen, dass Material vergänglich, dass es durch Schmutz, Patina, Ablagerungen angegriffen, ins Leben gezogen wird und doch, trotzdem die Idee, und nichts anderes ist eine Linie, überdauert.

Und in diesem Sinn, unter dieser Prämisse wünsche ich Ihnen Spaß, Lust, Erkenntnis.

Danke!

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