E.R.N.A.

 
 

Diese Bilder entstanden während der schweren Krankheit und der dreijährigen Pflege der Tochter Karen, die am 14. August 2009 verstarb. Viele Freunde ermunterten E.R.N.A. diese Ausstellung trotzdem zu eröffnen.

Ausstellungseröffnung am 6. September 2009

TROTZDEM TROTZIG TROTZ

Quietschgelb - Neidgrün - Morgengrau - Rosenrot - Blutschwarz, dann wieder schön Cölinblau, zu schön Türkis. Alles schön bunt, schön schrill. Die Farbflächen, Schlieren und Linien formen Abbilder von Köpfen und Leibern. Erkennbar viel Weibliches, Mütterliches.

In den Kopfbildern fängt das Quadrat scheinbar die Erregung ein, umklammert wie eine White-Box abgebildete Mimik und Gestik und man ist versucht, Fragen zu assoziieren. Eben solche Fragen jenseits der Sprache, die mit Bauchzwicken, Zwerchfellgrummeln, die mit Gefühltem beantwortet werden wollen. Lediglich Pathos wird dabei nicht hilfreich sein.

In den Figurenbildern gewahrt man zuerst Szenerien, denen Alltägliches zum Vorbild gedient haben könnte. Da sind Paare beieinander, Frauen hegen Babys, oder Kinder tollen herum. Doch schnell verliert sich klare Deutbarkeit in den fragwürdigen Versatzstücken und Handlungen, die die Bildwelt beleben.

Was geschieht zum Beispiel im „Täubchen“? Nuanciertes Rot auf strahlendem Blau. Man vermeint förmlich das vergnügte Quietschen zu vernehmen. Doch warum windet sich dieser schlangenhafte Ring um den Kinderleib? Und warum läuft das Kind im Gesicht blaugrün an. Und was tut der verdeckte, der verborgene Mund der Frau? Ist sie die Mutter? Bei all der heiteren Farbigkeit schleicht sich graugrüner Zweifel in die Bildgeschichte.

Obwohl E.R.N.A.s Malerei nichts Literarisches einbringen will, entwickeln ihre Figurenkonstellationen ein geschichtengleiches Eigenleben, mit einem altmodischen Wort umschrieben: ein allegorisches Ensemble. Die Malerei wirkt wie von leichter Hand, gekonnt, meisterlich beherrscht. Aber die nächsten Blicke verraten ein schweres Herz. Hier malt eine Frau, die kennt wovon sie malt.

E.R.N.A. ist zuallererst Mensch. Eine Frau, die zwei Töchter geboren hat, schon sehr lange Zeit mit ein und dem selben Mann zusammenlebt, den Atelierhof mit aufbaut, sauber und am Leben hält. Und doch ist sie nicht vom Alltag geschluckt worden, sondern hat aus den vielleicht gewöhnlichen Freuden und den brutalen Schlägen, die für schicksalhaftes Verzweifeln und Aufgeben Grund genug
wären, immer wieder Kraft für und zu ihrer Malerei gefunden. Und so signalisiert die Farbe doch Hoffnung, Freude, ein kräftiges, unerschütterliches JA zum Leben, dem realen Leben jenseits aller Kunstwelten. Oder?

Paul Böckelmann im April 2009

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