Skulpturengarten

 
 

Ausstellungseröffnung am 20. Mai 2012


 
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Laudatio von Paul Böckelmann


Zwiegespräch


Worüber sprechen wir? Wir, ein Liebespaar seit 31 Jahren, Partner seit 31 Jahren, verheiratet seit 22 Jahren. Wir arbeiten seit einer kleinen ungewöhnlichen Ewigkeit in und auf diesem Grundstück. Anfänglich standen die Räume des Dreiseithofes für Platz zum Arbeiten, ein privates Refugium freien Lebens trotz DDR, für den so anders gearteten Vorstellungen der Nachbarn trotzen wollen. In den Räumen wuchsen unsere Kinder auf, sie mussten mit jedem Zustand leben. Doch Kinder blicken ins Innere, auf anderes, suchen Liebe, träumen Welt. Bröckelnder Putz stört sie in ihrer Geborgenheit nicht. Und wir Erwachsenen verstehen, dass eine Idee oft lebendigere Wirkung entfaltet als eine perfekt eingerichtete Behausung.


1980. Die Dorfstraße 4 war ruinös, entseelt, Vergangenes verschüttet unterm nicht mehr bewohnt werden. Das war der Ort, gefunden durch Freunde, der für alles offen lag.


Die erste Idee: Drei Freunde gründen ein Künstlerhaus. Einer schafft Geld, einer macht das Land urbar, legt einen Garten an, einer baut; die Grenzen der Arbeitsteilung sind fließend, alles geht Hand in Hand. Zuerst war also Arbeit, im Garten, am Haus, im Atelier. Zerwürfnis läßt nicht lange auf sich warten - zu unterschiedliche Interessen sollen unter einem Dach wohnen. Unvereinbares zeugt Hass. Das Projekt ist gescheitert.


Die Idee noch einmal: Sie soll Realität werden, unterm scheinbaren Vorzeichen von Familie, mit und durch E.R.N.A.. Notwendigkeit bestimmt die Inbesitznahme der Räume, wir wollen arbeiten. Unzulänglichkeiten sind nebensächlich, wichtig ist, Bilder können entstehen. Die materielle Basis war gut, es gab nur kein Material. Egal, wir haben beheizbare Ateliers, Druckräume, Fotokammer. Ställe mutieren zu Werkstätten. Und immer noch hält der alte Pfarrhof Räume bereit, die auf Nutzung warten.


Nach der Wende, nach 1989 kann endlich das Haus geputzt, können die Dächer gedeckt, die Räume über das Notwendige hinaus gestaltet und genutzt werden. Altenau wird dem Künstlerhof ALTENAU 04 immer ähnlicher. 2004, nachdem die Scheune ausgebaut ist, eröffnen wir die Galerie. Im ALTEn PFARRHOF realisieren wir unsere Ideen und Träume. Obwohl wir älter werden scheint es, als würden wir uns der Erlebnisweise unserer Kinder, sie nun besser verstehend, stetig annähern. Wächst uns mit dem Altern ein kindlicher Blick oder demente Verwirrung zu? Die Frage müssen wir nicht beantworten, wichtig ist, dass Ideen realisiert werden.


Erst einmal ist der Garten sich selbst überlassen. Anfängliche Bepflanzungsaktionen fanden keine Fortsetzung. Bis 2011 E.R.N.A. Freunde aktiviert - Werner Kopsch, Uwe Böckelmann, Günter Demmich - Wege anzulegen und sie mich dazu bringt, gemeinsam mit ihr der Wildnis aufs Blattwerk zu rücken und somit Platz für einen Skulpturengarten zu schaffen. E.R.N.A. wünscht sich einen Garten voller Hortensien. Und hier findet auf eine andere Art die lange Zeit unterbrochene Bepflanzung durch HP Bethke eine  Fortsetzung. HP B beschenkt diesen neuen Garten mit den Pflanzen aus dem Saxdorfer Pfarrgarten. Und was wir jetzt zu sehen bekommen ist dem unbeherrschbaren Wetter, dem frostigen und schneefreien Winter geschuldet. Und auch hier zeigt sich, dass die Idee entscheidender als jedes Ungemach ist, um glücklich weiter träumen zu können.


Ein Haus, ein Grundstück wird schnell ein Synonym für Besitz, Habe, Guthaben und meistens auch so verstanden. Aber in unseren Augen ist es Behausung für animalisches Leben, Hort und Brutstätte von Arbeit, Glück, sowie Träumen und Ideen, und dann werden es seine Bewohner auch gut haben. Und so wie ein Haus mehr als Besitz sein kann, so kann man wahrscheinlich auch Räume nicht besitzen, sondern darf sie nutzen, vielleicht benützen, um sie, im besten Fall ideengefüllt, Menschen zugänglich zu machen.  


Und heute, am 20. Mai 2012 feiern wir den Beginn der Eroberung, der Inbesitznahme dieses Freiraumes.


Und da die Galerie, ein Raum auch Wandflächen bereithält, haben wir uns entschlossen, Werke aus den Jahren 1983 bis 1990 aus der Zeit unseres Anfangs in Altenau zu zeigen, im Kabinett sind Tiefdrucke von E.R.N.A. und hier im großen Scheunenraum Holzschnitte von mir zu sehen.

Und nun wünsche ich allen Gästen und Freunden einen freundlichen Einblick, einen angenehmen Wandel, verbunden mit der Hoffnung auf Gewinn für jeden.


Danke!    

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