Zur Ausstellung "Tapetenwechsel" Malerei von Paul Böckelmann


Ausstellungseröffnung am Sonntag, den 9.September 2012 um 15:00 Uhr


Ausstellungsdauer vom 9.9.2012 bis 21.April 2013


Tapete - lateinisch von tapeta, heißt Wandverkleidung oder auch tapetum Wandteppich.

Schon das Altertum kannte textile Wandbehänge. Im frühen Mittelalter wurden Stoffbahnen auf Rahmen befestigt und dienten zur Wanddekoration. In der Renaissance wurden ganze Räume mit Samt, Damast oder Brokat ausgekleidet. Im 16. Jh. wurden Ledertapeten aus Spanien importiert. Handbemalte Papiertapeten wurden in China als Wandschmuck benutzt und kamen im 16. Jh. bis zum 18.Jh. durch die Ostindischen Kompanien nach Europa. Im 18.Jh.gab es dann die geklebten Papiertapeten, wie sie uns bekannt sind.


1973, kurz vor Pauls Armeezeit, durfte er bei Vorarbeiten zur Restaurierung von Tapeten im Wörlitzer Schloss, den Chinaserien, die Peter Bethke durchführtet, mitarbeiten. Sich mit dieser Art der Wandverkleidung vertraut zu machen, war vielleicht schon eine wesentliche Arbeit zur Sensibilisierung und Schärfung seiner Wahrnehmungen.

Paul beobachtet genau. Er speichert die verschiedenen Entdeckungen und Spuren seiner Umgebung und nimmt Eindrücke von jedem Besuch unterschiedlichster Räume wahr. Er sieht Verschönerungswillen, Geschmack, Mode, Verfall. Das schmückende Wandelement zeigt jederzeit Haltungen, Illusionen und Sehnsüchte.

Paul malt nun aber keine Tapete, ihn interessiert genau der Moment zwischen den Schönheiten - der Wechsel, die Schichten gelebten Lebens. Sie fügt er zusammen, in seiner Welt. Dabei benutzt er radikale Materialien: Dreck, Fasern, Haare, Papiere, auch Tapetenreste und Farbe. Farbe, die sich im Einzelnen vielleicht mit schmutzig oder grau beschreiben ließe, sich aber im Bild zu fast kulinarischer Ästhetik zusammenfügt. So entsteht eine neue Bildwelt, eine neue Haut, vielleicht eine neue Wandverkleidung - Tapete genannt.

Ich bin in Pauls Bildern auf Suche gegangen und habe auch Spuren meiner Lebenszeit entdeckt, die manchmal ein Gefühl von Heimweh erzeugen.

Pauls Bilder sind schön, sie sind mir ein Genuß und man könnte denken, Paul liebt das Leben.


E.R.N.A. im September 2012

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